Maker vs. Virus – ein Fazit

update: vor lauter Details (und Versionen dieses Textes) ist mir durchgegangen die freundlichen Menschen aus dem Chaospott zu erwähnen, die uns einen Ultimaker 3 geliehen haben. All Hail Discordia!Chaospott! (hoffe das macht den Verpeil wieder wett ;))

Einen knappen Monat haben wir Gesichtsschutze gedruckt, Visiere geschnitten, Behelfs Mund Nasen Schutze (BMNS) genäht und zum Schluss Earsaver gedruckt. Empfänger waren Menschen aus Medizin und Pflege, z.B. Krankenhäuser, Rettungsdienst, Altenheime und mobile Pflege. Wir haben das Material von Anfang an kostenlos ausgegeben und keinen Selbstkostenpreis oder ähnliches verlangt. Viele Menschen haben dennoch aus freiem Antrieb an den Verein gespendet, was zwar nicht unser Ziel war – aber uns dennoch sehr hilft. Denn wir sind nach wie vor ein kleiner Verein und sozusagen im Entscheidungsjahr unserer Existenz (-> in eigener Sache). Glücklicherweise ist der Bedarf an Face Shields und co deutlich zurück gegangen, so dass wir den Druck gestoppt und unsere Rolle als aktiver HUB im Projekt Maker vs. Virus beenden konnten. Ein guter Zeitpunkt zurück zu blicken und ein Fazit zu ziehen.

Es war ein turbulenter und auch sehr anstrengender Monat, aber wir sind an unserer Aufgabe gewachsen und haben viel Unterstützung erfahren mit der wir nicht gerechnet hatten. So haben bemerkenswert viele Menschen aus dem Kreis Unna zuhause ihre 3D Drucker laufen lassen um Teile für Gesichtsschutze zu drucken. Auch hat uns die Spende von 66 Metern (!) Beetfolie vom Globus Baumarkt in Unna ermöglicht die Shields um die notwendige Scheibe zu ergänzen! Nachdem unser aktiver 3D Drucker den Mainboard Steppertreiber magic-smoke Tod starb, erhielten wir das Angebot der Sparkasse ihren Drucker zu leihen. Und damit nicht genug, die Sparkasse half auch den Kontakt zu den Schulen herzustellen. So haben wir für das Projekt leihweise 3D Drucker vom Pestalozzi Gymnasium, der Hellweg Realschule, dem Gymnasium Kamen, der Hauptschule Holzwickede und der Hauptschule Kamen geliehen bekommen. Die Gesamtschule Königsborn hat ihrerseits sogar Schüler*innen gefunden die zuhause quasi als Projekt den Druck unterstützt haben (-> Bericht im Hellweger Anzeiger). Support aus den eigenen Reihen haben wir auch erhalten, der Chaospott (unsere CCC Verwandtschaft aus Essen) hat uns einen großartig verzierten Ultimaker 3 geliehen, den wir mit viel liebe in unsere Druckfarm aufgenommen haben.

Die grosse Unterstützung war unerwartet, aber auch wichtig. Für den 3D Druck im Hackspace benötigte es immer einen anwesenden Menschen um neue Drucke zu starten, Shields zu bauen oder die Drucker zu warten. Nach unserem Aufruf (-> Wir suchen Unterstützer*innen) haben sich für diese Aufgabe sogar einige besonders mutige Menschen aus dem Kreis Unna gefunden. Besonders mutig weil sie kein Vorwissen mit 3D Druckern hatten und dennoch mit uns den Sprung ins kalte Wasser wagten.

Bereits im Spätsommer 2019 haben wir begonnen einen Lasercutter für den Hackspace aufzutreiben (-> Projekt Lasercutter). Den Nutzen eines solchen Gerätes haben damals kaum Menschen außerhalb des Hackspace verstanden und so blieben unsere Unterstützungs-Anfragen an sämtliche Stiftungen des Kreises teilweise bis heute unbeantwortet. Zum Bau der Face Shields war aber genau solch ein Gerät der Schlüssel. Denn aus 66 Metern Beetfolie mehrere Hundert Visiere zu schneiden und diese präzise zu lochen um mit den 3D gedruckten Bügeln zu passen funktioniert von Hand nicht wirklich gut. Wir haben eine spezielle Variante des Shields für den Rettungsdienst hergestellt (kürzeres Visier) und konnten uns daher daran üben 30 Visiere von Hand zu schneiden – das war wirklich nicht so lustig. Für den Großteil der Shields konnten wir aber auf Hardware des Chaostreff Dortmund zurückgreifen, wo Menschen sich richtig ins Zeug gelegt haben und stundenlang Folie auf dem Lasercutter in Visiere verwandelt haben. Hierfür wurde sogar eigens ein Vakuumtisch improvisiert um die widerspenstige Folie beim schneiden auf dem Laser plan zu halten.

Folien aus PET-G Platten lasern

Unterdessen haben wir auch mit Livestreams und Videoproduktion experimentiert, um unmittelbarer von unseren Fortschritten zu informieren. Schnell haben sich mehrere Mitglieder eingebracht, um die Streams zu maintainen und sogar zu verbessern. Sogar ein Webcamserver wurde aufgesetzt, um die Drucker aus verschiedenen Perspektiven zu filmen. Wer weiß? Vielleicht gibt es demnächst mehr Videos und Streams von uns. Die Erfahrung und gewillte Individuen sind da.

Bei all den positiven Dingen, die das Projekt hervorgebracht hat können wir auch irgendwie verschmerzen dass während des Projekts der einzige Kontakt zur Stadt Unna über das Ordnungsamt lief, welches Strafzettel fürs Aus und Einladen vor dem Hackspace an uns hinterlassen hat. So Kontaktwillig hat sich der Kreis leider nicht gezeigt, denn unser Hilfsangebot an den Fachbereich Gesundheit blieb bis heute unbeantwortet. Wir halten also fest: selber machen funktioniert immer noch am besten!

Und jetzt?
Wenn ihr noch Face Shields oder Earsaver brauchen könnt, kontaktiert uns gerne. Solange wir noch Material da haben helfen wir gerne aus. Solltet ihr Grosse Mengen benötigen können wir den Kontakt zu Menschen herstellen die Face Shields in Spritzguss Verfahren herstellen. Wir räumen unseren Hackspace jetzt langsam wieder frei für alte und neue Projekte. Das Projekt Lasercutter ist bei uns wieder aktueller denn je und daher haben wir dafür eine Betterplace.org Spendensammlung gestartet (ebenso wie eine generelle Spendenaktion wenn ihr uns durch die Corona Zeit helfen wollt). Parallel dazu bauen wir an einer MPCNC und daran unsere Vorträge in Zukunft Online präsentieren zu können. Achja: unser 3D Drucker hat mittlerweile ein neues Mainboard bekommen – allerdings hat das leichte defekte (danke ebayKleinanzeigen….) und braucht noch einige Aufmerksamkeit von uns. Last but not least: wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Menschen, die zusammen mit uns diese Aktion gestemmt haben!

Das Projekt in ein paar Zahlen:

3D Drucker:
4 Ultimaker 2+
1 Ultimaker 3
1 Ultimaker S5
1 Ender 5
1 Craftbot
1 CTC Bezier

ca 120 dokumentierte Schichten + etliche Stunden nicht dokumentierter Arbeit (Kontakt Schulen, Abholung 3D Drucker, Materialsuche, Einfuehrung ehrenamtlicher Helfer*innen in den Ablauf im Hackspace, Social Media Bespielung, Projektdokumentation, Unterstuetzungsanfragen mit Stromanbieter und Baumarkt, Maker vs. Virus Meetings, Bedarfsklaerung per Telefon, eMail und persoenlich, Beantworten von Anfagen auf der eigenen Mailingliste, Bestellung von Material, Terminierung Abgabe Drucke von Helfer*innen, Fahrten um Spezial Locher zu besorgen…)
ca 13 Entitaeten (darunter auch komplette Familien) die Schichten gearbeitet haben
ca 30 verschiedene Empfänger*innen von Material u.a. Zahnaerzt*innen, Physiotherapeut*innen, Pflegeheime, Krankenhaeuser, Logopaed*innen, Hausaerzt*innen, Rettungsdienst, Verkehrsbetriebe, Psychotherapeut*innen, Altenpflege, Intensivmedizin, Krankentransporte, Kassenvereinigungen, Gastroenterologie, Privatpersonen

Material:
ca 200 Zip Beutel
ca 100 Meter Stirnpolster
ca 100 Meter Knopflochband
ca 700 einzelne 3D Drucke (Faceshields, earsaver)
mehrere hundert Visiere aus dem Lasercutter des CTDO + ein komplett handgeschnittener Satz fuer das DRK/Rettungsdienst im Kreis Unna
knapp 20 Kilo Filament verbraucht
ca 200 Behelfs Mund Nasen Schutze genaeht

Presse und co:


Gymnasium Kamen

Gesamtschule Kamen

Hellweger Anzeiger „Unnas Hackerclub „näht“ Schutzmasken mit dem 3D-Drucker“

Hellweger Anzeiger „Gesamtschüler aus Königsborn drucken Rahmen für Schutzmasken

Hellweger Anzeiger „Gesichtsschutz aus dem Drucker: Kamener Gesamtschule sagt Coronavirus den Kampf an

Hellweger Anzeiger PGU-Abiturient nutzt Kontakte zur Schule für die Herstellung von Schutzvisieren

Lokalkompass

Gesamtschule Kamen

Ein Kommentar zu „Maker vs. Virus – ein Fazit

Die Kommentare sind geschlossen.